{"id":619,"date":"2020-07-25T11:55:00","date_gmt":"2020-07-25T11:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/learning-journey.info\/?p=619"},"modified":"2020-07-29T10:04:12","modified_gmt":"2020-07-29T10:04:12","slug":"tag-9-30-km-lets-do-it-again","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/learning-journey.info\/index.php\/2020\/07\/25\/tag-9-30-km-lets-do-it-again\/","title":{"rendered":"Tag 9: 30 km, let&#8217;s do it again."},"content":{"rendered":"\n<p>Der Wecker klingelte um 6 Uhr morgens. Ich wog mich langsam aus dem gem\u00fctlichen und warmen Bett. Eigentlich wollte ich nicht aufstehen, doch es musste sein. Ich ging zum Fenster und wagte einen Blick raus. Der Rhein lag direkt vor mir. Ich konnte es immer noch kaum begreifen, wie sch\u00f6n es hier war. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Als ich um halb sieben von dem Waschsaal schnell in mein Zimmer huschte, traf ich auf Birgit. Da auf den G\u00e4ngen striktes Redeverbot herrschte, gingen wir kurz in mein Zimmer, lernten uns kennen und unterhielten uns. Birgit erz\u00e4hlte mir, dass sie seid ein paar Wochen hier im Kloster lebte. Nach einem Wandel in ihrem Leben hatte sie sich dazu entschieden hierher zu kommen. Damals hatte sie sich nicht viel aus dem Glauben gemacht. Hatte ein ganz &#8220;normales&#8221; Leben gef\u00fchrt. Sie war nun kein verlorenes Schaaf mehr. Sie hatte ihre Bestimmung gefunden und spielte jeden Tag mit dem Gedanken komplett ins Kloster zu wechseln. Doch die radikale Umstellung sowie die Ausbildung in Maastricht (in dem Verbunskloster) machte es f\u00fcr sie schwer sich zu entscheiden. Sie hatte das Gef\u00fchl hierher nach Remagen zu geh\u00f6ren, hier war ihr Platz. Doch die Ausbildung sah vor, dass sie f\u00fcr eine Weile nach Maastricht geht (falls sie ganz ins Kloster wechseln sollte) . Das wollte sie nicht. Zudem kam hinzu, sollte sie sich f\u00fcr das vollumf\u00e4ngliche Leben im Kloster entscheiden, dass der Besuch bei Familie und Freunden kaum m\u00f6glich war, da man sich komplett f\u00fcr den Ordnen aufopferte. Die Freiheit, ihre Familie und Freunde zu besuchen, wollte sie nicht g\u00e4nzlich aufgeben, was ich vollkommen verstehen konnte und f\u00fchlte mit ihr. Birgit schien noch sehr unentschlossen und ich w\u00fcnschte ihr von Herzen und hoffte f\u00fcr sie, dass sie ihren Weg bald finden w\u00fcrde. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach unserem Gespr\u00e4chen ging wir gemeinsam zur Laudis. Wir mussten uns sputen, da es in wenigen Minuten losging. Die Laudis ist das erste Gebet des Tages, welches gemeinschaftlich als Chorgebet einer Ordnensgemeinschaft vollzogen wird. Ich freute und f\u00fchlte mich geehrt, als ich gegen Ende der Laudis den Segen f\u00fcr meine Reise ausgesprochen bekam. Ein wirklich sehr sch\u00f6nes Gef\u00fchl. Anschlie\u00dfend ging es direkt weiter in die Morgenmesse. <\/p>\n\n\n\n<p>Als diese gegen viertel vor neun vorbei war, \u00f6ffnete ich meine Hand, in der ich das Kreuz meiner Mutter hielt. Sie hatte es mir an dem Wochenende vor meiner Reise mitgegeben und sollte mich besch\u00fctzen. Die ganze Zeit, die ich in dem Kloster verbrachte, trug ich das Kreuz bei mir. Nichts war passiert, doch pl\u00f6tzlich war es kaputt. Ein Faden hatte sich gel\u00f6st und so hing das Kreuz nur noch an einem Band. Schicksal, oder steckte was anderes dahinter? Ich gr\u00fcbelte, doch als wir im Gemeinschaftsraum ankamen, in dem wir alle zusammen fr\u00fchst\u00fcckten, kam ich schnell auf andere Gedanken. Denn Birgit, nicht die von heute morgen, sondern eine andere Ordensschwester, hatte Namenstag. Auf ihrem Platz stand eine wundersch\u00f6ne Rose aus dem Klostergarten. Um ihren Teller lagen kleine Geschenke und Briefe. Alles war liebevoll und mit bedacht hergerichtet. Ich war beeindruckt. Zum Fest des Tages sangen wir ein Lied, was ich vom Rhythmus her gar nicht schlecht fand. Ich wippte sogar im Takt mit. Danach gab es endlich Kaffe. Man schmeckte der Kaffe gut, dachte ich und h\u00f6rte ganz gespannt den verschiedenen Gespr\u00e4chen \u00fcber Gott und die Welt zu. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann hie\u00df es aber schon bald Abschied nehmen. Die Schwestern und Br\u00fcder waren alle so nett und freundlich zu mir, sodass ich ihnen versprach mich von meiner Reise auf dem Jakobsweg mit einem Brief zu melden. Leider neigte sich eine weitere tolle Zeit dem Ende. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich drehte mich ein letztes Mal zur Kirche um und machte noch schnell ein Foto. In Gedanken bedankte ich mich nochmals bei allen f\u00fcr ihre Herzlichkeit und die Einblicke und sah meinen n\u00e4chsten 30 Kilometern ins Auge. Irgendwie schien es diesmal jedoch leichter zu sein. Obwohl es wieder bergauf und -ab ging und das Wetter wieder bombastisch war, lief es super. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Wanderweg hatte es zwischenzeitlich wirklich in sich. Meine Familie machte sich Sorgen, dass ich auf nicht so nette Leute treffen k\u00f6nnte, die nichts Gutes im Sinn hatten. Als ich von meinem sehr schmalen Wanderweg jedoch den Abhang hinunter blickte, kam mir der Gedanke, dass die Gefahr eventuell gr\u00f6\u00dfer sei, bei meiner Tollpatschigkeit herunter zu st\u00fcrzen und mich lebensgef\u00e4hrlich zu verletzten. ? Schnell war die Gefahr gebannt und es ging gl\u00fccklicherweise wieder sicher bergab. <\/p>\n\n\n\n<p>Endlich kam ich gegen sechs Uhr abends in Andernach an. Was f\u00fcr ein tolles Gef\u00fchl wieder die 30 km geschafft zu haben. Yes! Nur noch ein paar Meter und ich hatte mein Billighotel erreicht. Entspannung konnten meine F\u00fc\u00dfe nun gut gebrauchen. Als ich in meinem Bett so da lag, merkte ich, dass irgendwas fehlte. Dank Couchsurfing, Hostel und Kloster hatte ich abends immer jemanden mit dem ich mich austauschte. Heute Abend war es allerdings anders. Keiner war dort, nur ich alleine auf meinem Zimmer. Komisch. Ich merkte, wie sehr ich mich in der kurzen Zeit daran gew\u00f6hnt hatte. Und so entschloss ich fr\u00fch schlafen zu gehen. Vielleicht hatte in meinen Tr\u00e4umen jemand Lust mit mir zu reden ?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-container-2 wp-block-gallery-1 wp-block-gallery columns-3 is-cropped\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" width=\"825\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/learning-journey.info\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG-20200725-WA0027-825x1024.jpg\" alt=\"\" data-id=\"633\" data-link=\"https:\/\/learning-journey.info\/index.php\/2020\/07\/25\/tag-9-30-km-lets-do-it-again\/img-20200725-wa0027\/\" class=\"wp-image-633\" srcset=\"https:\/\/learning-journey.info\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG-20200725-WA0027-825x1024.jpg 825w, https:\/\/learning-journey.info\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG-20200725-WA0027-242x300.jpg 242w, https:\/\/learning-journey.info\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG-20200725-WA0027-768x953.jpg 768w, https:\/\/learning-journey.info\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG-20200725-WA0027-1237x1536.jpg 1237w, 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